Taschen aus kaputten Flüchtlingsbooten – Eine Reise – Teil I

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mimycri Taschen und Rucksäcke sind aus kaputten Schlauchbooten gemacht, die zur Überfahrt von der Türkei nach Griechenland genutzt wurden. Aber wie genau läuft die Verwandlung von Boot zu Tasche ab? In einer vierteiligen Serie nehmen wir Euch mit auf diese Reise.


Der Anfang

Chios. Lesbos. Griechenland. Ein Boot kommt an. Meistens ist es voller Menschen. Zu voll. Was bedeutet, dass es auch kaputt ist und voller Wasser. Jede Ankunft ist emotional. Jede Ankunft ist anders. Das liegt daran, dass es Menschen sind, die ankommen. Denn niemand ist gleich.

Teil der Arbeit als Freiwillige*r in Chios mit dem Chios Eastern Shore Response Team (CESRT) und in Lesbos mit Lighthouse Relief ist den Menschen an Land zu helfen. Die meisten Boote kommen nachts an. Zu dieser Jahreszeit hat es dann ca. 5°C. Nachdem alle sicher an Land gebracht wurden, verteilen Freiwillige Essen, Wasser und trockene Kleidung. Diese Momente sind immer emotional, manchmal voller Angst, weil in den letzten Stunden nicht klar war, ob die Menschen sicher auf der griechischen Seite ankommen würden. Manchmal sind die Momente voller Freude es geschafft zu haben.

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Die Ankunft

Es gibt keine Zeit sich um die Boote zu kümmern, wenn die Menschen ankommen. Die Priorität ist es, dass die Newcomer sich sicher und willkommen fühlen und sich um medizinische Notfälle zu kümmern. Stunden oder Tage später, wenn keine Boote ankommen, kehren Freiwillige zurück an die Strände um diese zu reinigen. Plötzlich sind dort keine Menschen mehr, nur noch Dinge, Zeugen dessen, was passiert ist. Die Freiwilligen nehmen die nasse Kleidung und waschen sie um diese wieder zu verwenden. Sie werfen die Rettungswesten weg. Und seit mimycri existiert, werden die Boote nicht mehr weggeworfen, sondern gesammelt.

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Die Transformation

Das ist der erste Moment, in dem ein kaputten Schlauchboot zu etwas Neuem wird: die Entscheidung, das Boot aus dem Sand und den Felsen zu holen und das Material zu sammeln anstatt es wegzuwerfen.

Das ist extrem harte Arbeit, die Willenskraft benötigt. Das Bootsmaterial ist schwer und unbeweglich und oft im Sand vergraben oder steckt zwischen den Felsen fest.  

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Das Bootsmaterial wird dann zu den Lagerhäusern gebracht und wird dort aufbewahrt bis genug Material zusammen kommt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Material schon nicht mehr nur ein kaputtes Schlauchboot, sondern wurde durch die Arbeit der Freiwilligen zu etwas, aus dem bald Neues entstehen wird. Und trotzdem ist es gleichzeitig ein kaputtes Boot.

Verpacken

Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass genug Material da ist, wird es geschnitten, gerollt und verpackt. Es trägt dann die Geschichte als Boot und die Geschichte als etwas gesehen zu werden, das verwandelt werden kann.

Wenn dann Zeit ist, werden alle Boxen auf eine Palette gepackt und diese verlässt Chios oder Lesbos. Nächsten Mittwoch wirst Du über die Reise des Materials von Griechenland nach Deutschland erfahren. Sei gespannt!


CESRT in Chios sucht dringend nach Freiwilligen. Wenn Du mindestens zwei Wochen Zeit hast und unterstützen möchtest, schick uns eine Nachricht und wir connecten Dich: tell@mimycri.com